Vom Juristen zum Vollblut-Banker

Volksbank-Vorstand Paul-Ludwig Rosche im Ruhestand

-Christoph Lowinski- Ahlen / Warendorf - „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“: Als Paul-Ludwig Rosche zur Warendorfer  Volksbank stieß, war sie in bewegter See unterwegs. Das Geldinstitut hatte sich mit bundesweiten Immobiliengeschäften in eine finanzielle Schieflage manövriert. Der gelernte Jurist Rosche sollte mithelfen, den Kahn wieder ans rettende Ufer zu bringen: „Von Finanzen hatte ich keine Ahnung“, erzählt er rückblickend.
Zwischenzeitlich sind 33 Jahre vergangen. Die Bank hat sich neu aufgestellt, die Turbulenzen der 80er Jahre sind längst vergessen. Und Rosche ist vom Juristen zum Banker geworden. Von der Pike auf, mit allem drum und dran: Lehrgänge auf der Bankakademie, schließlich – mit 46 – noch mal ein Examen als Diplom-Bankbetriebswirt gestemmt. Das schafft man nicht mit links, da muss man sich reinknien. Rosche sieht es gelassen: „Ich habe mich nie gelangweilt.“
Kein Wunder, es ist viel passiert: Die Konsolidierung der Warendorfer  Volksbank ging einher mit einer Fusion. Sassenberg und Ahlen stiegen mit ins Boot – der „Kahn“ nahm wieder Fahrt auf. Die Neuaufstellung war kein leichtes Unterfangen, aber: „Das war eine super Ausbildung.“
Auch, wenn zwischendurch die Beteiligten ordentlich ins Schwitzen gerieten. Gelungen sei der Kraftakt, weil man vertrauensvoll miteinander umgegangen sei. „Wir haben die Dinge mit Teamgeist überstanden und die Bank konsolidiert“, sagt Rosche, der 1999 in den Vorstand der Bank aufrückte, mit Stolz.
Die Keimzelle der heutigen Konstellation war da: Im vergangenen Jahr fusionierten die  Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf und die  Volksbank Oelde-Ennigerloh. Rosche begleitete den Übergang als Vorstandssprecher der „neuen“ Bank, die nun als „ Volksbank eG“ firmiert – ohne weiteren Namenszusatz. Was den Weg offen lässt für weitere Entwicklungen in der Zukunft.
Entwicklungen, die Rosche dann interessiert von außen beobachten wird. Der 31. März war sein letzter offizieller Arbeitstag – seit Freitag ist er Ruheständler.
Zwei große Fusionen hat Rosche aktiv begleitet – und er ist sicher, dass damit nicht das Ende des Prozesses erreicht ist. Der Regulierungsdruck auf europäischer Ebene nehme weiter zu. Auf der anderen Seite sinke die Gewinnmarge, weil die Zinsen im Keller sind. „Das kann man nur in größeren Strukturen auffangen“, ist Rosche sicher. „Auch unser Haus wird sich in Zukunft immer wieder neu positionieren müssen.“
Es gibt weitere Herausforderungen. „Das Kundenverhalten verändert sich sehr.“ Steigende Ansprüche seien jedoch kein Nachteil: „Wir setzen auf Beratungsqualität.“ Die Bank sei Dienstleister: „Wir müssen noch mehr lernen, das Geschäft aus dem Blickwinkel der Kunden zu verstehen.“
Wo sieht Rosche die  Volksbank in zehn Jahren? Vieles werde sich ins Internet verlagern, ist er überzeugt: „Wir müssen uns breit aufstellen.“ Weniger Filialen, mehr Online – aber immer mit qualifizierter Beratung. Kundenorientierung als Schlüssel zum Erfolg. Und vorausschauende Planung.
Erst einmal müsse man die Synergien der gerade abgeschlossenen Fusion heben. Doch Rosche ist sicher, dass der Status quo nicht zehn Jahre Bestand haben wird: „Man muss früh wissen, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet.“
Er selbst hat die Kurve gekriegt – in den Ruhestand. Und will drei Monate lang erst mal sacken lassen und nichts tun. Es gibt da einige ehrenamtliche Aufgaben, um die er sich kümmern will. Berufliches wird er nicht anpacken, sagt er, auch wenn er noch eine Anwaltslizenz hat.
Zeit zum Skifahren, aufs Rad steigen. Seinem Interesse an Geschichte frönen – da könnte Paul-Ludwig Rosche sich was vorstellen. Außerdem: „Freizeit und Familie sind in den vergangenen Jahren oft zu kurz gekommen.“

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 02.04.2016