Online zahlen "Made in Germany"

Paydirekt soll als neues Bezahlverfahren Händler und Verbraucher mit Sicherheit überzeugen

„Das neue Onlinebezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen ist erfolgreich am Markt gestartet“; hieß es zum Jahreswechsel verheißungsvoll in der Medienwelt. Bereits 150 000 Registrierungen nach sechs Wochen gebe es, rund 1000 Institute in der Bankenwelt seien bereits angebunden und ein vereinfachter Prozess zur Händleranbindung sei angestrebt. WN-Redakteurin Monika Vornhusen fragte Sebastian Neukötter, Bereichsleiter Vertriebsmanagement der Volksbank eG, Warendorf, was sich hinter paydirekt wirklich verbirgt.


Wie erleben Sie die Realität des Umsetzungsprozesses für das neue Online-Bezahlverfahren – ist paydirekt in den Köpfen der Kunden und Händler tatsächlich schon so präsent?

Sebastian Neukötter: Bei den Verbrauchern ist paydirekt in der Tat noch nicht so präsent. Allerdings sind die deutschlandweiten Werbemaßnahmen zu paydirekt auch gerade erst Ende Januar angelaufen. Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat die Werbelinie insbesondere mit Online-Kampagnen belegt, um eben auch die zu erreichen, die diese neue Online-Bezahl-Variante nutzen können. Auf der Händlerseite ist paydirekt dagegen präsenter. Gerade Händler mit einem Online-Shop sind ohnehin über neue Verfahren gut informiert. Leider ist die Vertragsgestaltung aus juristischer Sicht noch zu komplex, wodurch viele Händler derzeit noch in Warteposition sind und auf die geplante Vereinfachung im Laufe des Frühjahres warten. Grundsätzlich bietet das System für Verbraucher und Händler aber klare Vorteile und hohe Sicherheit im Online-Bezahl-Bereich.

Wovon hängt eine gute und zügige Marktentwicklung dieses neuen Onlinebezahlverfahrens wesentlich ab?

Sebastian Neukötter: Natürlich ist zunächst eine breite Akzeptanz und Nutzung auf Händlerseite wichtig, um paydirekt auch für die Verbraucher attraktiv zu machen. Bis 2020, so schätze ich, wird sich der Markt der Zahlungsanbieter von selbst regulieren. Von den rund 80 Anbietern werden sich nur maximal zehn durchsetzen. paydirekt kann durchaus einer dieser Anbieter sein.

Wie funktioniert paydirekt überhaupt im Grundprinzip?

Sebastian Neukötter: Ziel von paydirekt ist es, in maximal zwei Klicks zur Zahlung  zu gelangen. Die Ware wird online ausgewählt, mit dem Zahlverfahren paydirekt bestätigt und die Zahlung wird abgewickelt. Dazu ist ein onlinefähiges Konto nötig, bei dem paydirekt freigeschaltet ist. Für jede einzelne Zahlung ist dann nur, vergleichbar zu PayPal, Benutzername und Kennwort nötig. Es bleibt aber allein bei der Verbindung zwischen dem Kunden und seiner Bank. Der Händler bekommt nur die Bestätigung der Zahlung.

Kann paydirekt wirklich eine echte Alternative zu Bezahlsystemen wie PayPal werden?

Sebastian Neukötter: PayPal hat bereits einen großen Marktanteil und 15 Jahre Erfahrung im Online-Bereich. Es ist nicht das Ziel von paydirekt, zu diesem „Global Player“ aufzuschließen. Paydirekt möchte aber nationale Zahlungssicherheit anbieten, den Zahlungsverkehr auf dem deutschen Markt sicher machen und die deutsche Wirtschaft zugleich stärken. Somit sehe ich paydirekt auf jeden Fall als echte Alternative.

Wie reagieren die Bankkunden auf paydirekt und wie die Händler?

Sebastian Neukötter: Bislang sind die Händler im Online-Handel interessiert. Das System muss aber noch bekannter werden, im zweiten Schritt auch für die Verbraucher.

Wie kann es gelingen, möglichst viele Händler mit ins Boot zu bekommen, um Paydirekt für die Käufer überhaupt attraktiv zu machen?

Sebastian Neukötter: „Made in Germany“ lautet für mich die Formel – also alle Daten bleiben auf deutschen Servern unter deutschem Daten – und Verbraucherschutz. Das sind sehr gute Argumente.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie im Rahmen der Umsetzung und was ist bei paydirekt noch verbesserungswürdig?

Sebastian Neukötter: Die Händleranbindung muss ganz klar noch gesteigert werden. Doch Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut. Ich finde, dieses Stichwort passt zum Stand der Dinge bei paydirekt sehr gut.

Wie sicher ist das paydirekt –Verfahren?

Sebastian Neukötter: Das Verfahren ist sicher und schlüssig. Der Käuferschutz ist hoch, ebenso der Verkäuferschutz durch die Zahlungssicherheit. Hinter jedem Käufer steht schließlich ein bereits legitimierter Kunde.

Ab wann werden Kunden paydirekt für ihre Online-Einkäufe nutzen können?
Sebastian Neukötter: Nutzen können unsere Kunden paydirekt bereits seit Mitte Dezember bei eben entsprechend freigeschalteten Händlern. Ich selbst habe mich schon freigeschaltet und es ausprobiert.

Soll paydirekt einmal so selbstverständlich werden wie ein Girokonto?

Sebastian Neukötter: Im Grunde sollte es so selbstverständlich werden wie der Griff zum Portemonnaie. Paydirekt ist ja immerhin als ein Teil des Girokontos gedacht – ein Zusatznutzen eben.


ZUM THEMA: paydirekt und seine Vor- und Nachteile
paydirekt wurde von den deutschen Banken und Sparkassen  entwickelt, um eine einfache Zahlungsabwicklung über das eigene Girokonto mit den bewährten Sicherheitsstandards deutscher Finanzinstitute zu verbinden. Mit einem für die technische Abwicklung gegründeten Gemeinschaftsunternehmen steht die deutsche Bankenwelt hinter diesem Online-Bezahlverfahren.
Vorteile von paydirekt: Die Kontodaten des Kunden bleiben bei seiner Bank. Drittanbieter sind nicht zwischengeschaltet. Falls es Schwierigkeiten mit der zu übersendenden Ware gibt, ist die Zahlung später rückabwickelbar. Alle teilnehmenden Händler-Shops sind ebenfalls Kunden der Banken, was das Vertrauen erhöht. Durch die Passwortsicherung besteht keine Möglichkeit des Zugriffs von außen auf das eigene Online-Banking oder auf andere Konten.
Nachteile von paydirekt: Das Verfahren muss sich etablieren, um attraktiv zu werden – zunächst bei den Händlern, dann bei den Kunden. paydirekt ist als eine rein nationale Lösung der heimischen Banken gedacht; grenzüberschreitende Zahlungen sind ausgeschlossen.

Quelle: WN vom 11.02.2016

Verfahren paydirekt