Schüler prüfen Geschäfte auf Barrierefreiheit

Ennigerloh (gl). Das Shampoo, das Claudia Kattner kaufen möchte, steht ganz oben im Regal. Ihr Lieblingsdeo unten. Aufgrund ihrer Gehbehinderung kann sie nur auf die vier mittleren Regalreihen zugreifen. „Was jetzt?“, fragen Schüler der Gesamtschule Ennigerloh, als sie mit der Rollstuhlfahrerin die Drogerie Rossmann auf Barrierefreiheit prüfen.

Konfrontiert mit diesem Kritikpunkt, erklärt die Stellvertretende Filialleiterin Marion Flemmig, dass man viel zu viel Geschäftsfläche bräuchte, gäbe es bloß vier Regalreihen. „Dafür sind wir da und helfen“, sagt sie. Die zwölf Siebtklässler, die am Donnerstag mit der Rollstuhlfahrerin mehrere Geschäfte besuchen, akzeptieren die Antwort. Alles Weitere beobachten sie genau: Claudia Kattner kann sich mit ihrem Elektrorollstuhl gut durch die breiten Gänge bewegen. Die Einfahrt gelingt gut, weil die Tür automatisch öffnet.

Das ist auch in der Engel-Apotheke am Markt so. Während ein paar Schüler zwei Treppenstufen nehmen, fährt Claudia Kattner rechts die Rampe hoch. „War die Rampe schon immer hier?“, wollen die Schüler wissen. Inhaber Torsten Faber erklärt, dass die Apothekenbetriebsordnung einen barrierefreien Zugang vorgebe. Die Siebtklässler sehen zu, wie Claudia Kattner sich langsam zwischen den Regalen bewegt. Hier geht es etwas enger zu. Aber der Platz reicht, um überall hinzukommen.

Der Weg zum nächsten Testobjekt, der Volksbank, führt an einem Bäcker vorbei. „Was machst du, wenn du dir etwas zu Essen holen willst?“, fragt eine Schülerin. Mal nehme sie jemanden mit, mal frage sie jemanden. „Manchmal muss ich draußen warten. Das geht. Aber drinnen ist es halt wärmer“, sagt die 38-Jährige.

In der Volksbank kommt sie gut zurecht. Um Überweisungsträger ausfüllen zu können, gibt es für Rollstuhlfahrer bereits niedrige Schreibpulte. Den Geldautomaten fährt Claudia Kattner seitlich an, so kann sie ihn erreichen. Ebenso gut ist die Praxis für Alternativmedizin von Marion Broks auf Gehbehinderte vorbereitet. Am Haupteingang weist ein Symbol Rollstuhlfahrer nach links. Der Seiteneingang ist barrierefrei. Die Schüler übersehen das Zeichen und schlagen vor, dass man es farblich hinterlegt.

Die Inhaberin nimmt die Anregung dankbar entgegen und kann die Schüler mit einer Liege begeistern. Diese hat hochklappbare Lehnen, so dass Claudia Kattner mit etwas Hilfe leicht darauf zu liegen kommt. Die Aussicht auf die Auszeichnung „barrierefrei“ ist also – wie auch bei den anderen Testobjekten – sehr gut.

(Quelle: Die Glocke vom 30.01.2016)